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Jüdischer Orchesterdirektor kündigt nach „systematischer antisemitischer Herabsetzung“

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Deutschland Anti-Semitic Mobbing?

Orchesterdirektor kündigt nach „systematischer antisemitischer Herabsetzung“

Ilia Jossifov (l.) kündigte nun, nachdem er Holger v.  Berg (r.) Mobbing vorwarf

Ilia Jossifov (l.) kündigte nun, nachdem er Holger v. Berg (r.) Mobbing vorwarf

Quelle: Björn Struck; image alliance/dpa/Daniel Karmann; image alliance/Bildagentur-online/Schickert; Montage: Infografik WELT

Schikaniert unterm Hakenkreuz, so lautete der Vorwurf des jüdischen Orchesterdirektors Ilia Jossifov gegen den Geschäftsführer am Hessischen Staatstheater. Nun zieht sich Jossifov zurück – und verurteilt die für das Theater verantwortliche Politik scharf.

No.ach Antisemitismus- und Mobbingvorwürfen gegen Holger von Berg, Geschäftsführer am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, gab es nun eine Kündigung – des mutmaßlichen Opfers Ilia Jossifov. In seinem Kündigungsschreiben vom Sonntag beschrieb Jossifov „systematische antisemitische Herabsetzung und monatelange Schikanierung“ durch von Berg seit Anfang des Jahres 2022.

Der Dienstaufsicht im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst unter Führung der Grünen-Politikerin Angela Dorn warf er Versagen vor: Man weigere sich dort bis heute, Maßnahmen zum Schutz seiner Individual zu ergreifen.

Die Hintergründe im Fall Jossifov

Ilia Jossifov (l.), Orchesterdirektor am Hessischen Staatstheater, wirft dem Geschäftsführenden Direktor Holger von Berg Mobbing vor

„Mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust“, schrieb Jossifov, hätten er und seine Familie solche „Widerstände“ nicht erwartet.

Dem Ministerium liegt zwar ein Bericht über die Mobbingvorwürfe vor, den das Haus selbst bei einer privaten „Konfliktberaterin“ in Auftrag gegeben hatte. Der Inhalt des Berichts aber ist bislang unter Verschluss. Auch dem mutmaßlichen Opfer Jossifov und seinem Anwalt Marcus Felsner wurde er nach eigenen Angaben bislang trotz mehrfacher Anfragen nicht zugänglich gemacht.

Ilia Jossifov, Ex-Orchesterdirektor am Hessischen Staatstheater

Ilia Jossifov, Ex-Orchesterdirektor am Hessischen Staatstheater

Quelle: Björn Struck

Felsner erhob deshalb in einem Begleitschreiben zu Jossifovs Kündigung an das Kunstministerium schwere Vorwürfe: Ministerin Dorn habe der „belegten systematischen Herabsetzung des jüdischen Orchesterdirektors“ bislang lediglich deren „unbelegte Meinung (Hervorhebung im Authentic, Anm. d. Pink.) entgegenhalten lassen, das Verhalten des Herrn von Berg sei nicht als antisemitisch zu bewerten“ – ohne aber Beweise für diese Meinung, additionally den Bericht, offenzulegen.

„Kein Wort der Entschuldigung“

Der Beschuldigte Holger von Berg habe trotz seiner „vielfach und im Element belegten systematischen Herabsetzung (Ilia Jossifovs, Anm. d. Pink.) im Zeichen des Hakenkreuzes“ kein Wort der Entschuldigung geäußert. Stattdessen habe von Berg aus Dorns Ministerium „persönliche Tipps und öffentlichen Schutz“ gegen die Vorwürfe antisemitischen Mobbings erhalten. „Dass ein deutsches Landesministerium im 21. Jahrhundert so mit den Rechten eines jüdischen Bürgers und Mitarbeiters verfahren kann, macht über die Grenzen Deutschlands hinaus fassungslos“, schloss Felsner.

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Ein Sprecher des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst verwies auf WELT-Anfrage auf ein Assertion des hessischen Antisemitismusbeauftragten Uwe Becker aus dem vergangenen Jahr. Becker sagte damals, dass es sich aus seiner Sicht de él bei dem Vorgang nicht um Antisemitismus deal with.

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Das Land Hessen und die Stadt Wiesbaden hätten den Sachverhalt „durch eine erfahrene Expertin extern aufarbeiten lassen“. Ihr Bericht komme zu dem Ergebnis, „dass die festgestellte und aufgearbeitete Sachgrundlage nicht den Vorwurf des Antisemitismus begründet“. Der Sprecher sagte, dass es das Ministerium bedauere, „dass Ilia Jossifov keinen anderen Weg als den der Kündigung sieht“.

Hessens Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn (Grüne)

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Quelle: pa/dpa/Andreas Arnold

Es sei unstrittig, dass das Verhalten der Bühnenleitung des Staatstheaters insgesamt zu Konflikten im Haus geführt habe, so der Sprecher weiter. „Dies ist der Grund für eine Reihe von Maßnahmen am Staatstheater Wiesbaden, die das Betriebsklima und die Abläufe verbessern sollen.“

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Jossifov hatte im Frühjahr 2022 in Wiesbaden den Posten des Orchesterdirektors angetreten. Bereits unmittelbar danach soll von Berg Jossifov auch in Präsenz eines Hakenkreuzplakats gemobbt haben, das in von Bergs Büro hing. Mehreren Aufforderungen zum Trotz hatte er es nicht abgehängt. Von Berg wies bereits im vergangenen Jahr auf WELT-Anfrage „jegliche Vorwürfe des Antisemitismus“ von sich und verwies auf den Ursprung der Plakate, die im Kontext auch seiner Bemühungen um die Aufklärung der Verantwortung der Bayreuther Festspiele für NS-Vertandenware ents.

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Von Berg sei bewusst geworden, dass der „Aussagegehalt“ des Swastika-Plakats „für Außenstehende nicht hinreichend deutlich wurde“, weshalb er aufrichtig um Entschuldigung für „unbeabsichtigte Verletzungen“ bitte. Zugleich betonte er, dass zu „keinem Zeitpunkt“ zu Mobbing gekommen sei.

Der Intendant des Hessischen Staatstheaters, Uwe Eric Laufenberg, stellte sich gegenüber WELT, additionally im vergangenen Jahr, hinter den nun ehemaligen Orchesterdirektor: Jossifov sei „massiv gemobbt“ worden, und es sei ein „unhaltbarer und antisemitischer Vorgang“, dass Jossinem sich unter Hakenkreuz habe anhören müssen, dass dieser, ginge es nach von Berg, „nicht hier wäre“. Jede seiner Ermahnungen de él an von Bergs Adresse sei ignoriert worden, so der Intendant. Bereits vergangenen Herbst mahnte Laufenberg an: „Eigentlich könnte und müsste das Ministerium handeln, warum es das nicht tut, weiß ich nicht.“

Es ist nicht das erste Mal, das Ministerin Dorn Untätigkeit im Angesicht von Antisemitismus vorgeworfen wird. Bereits im Rahmen der in Hessen stattfindenden Kunstschau Documenta, auf der vielfach Werke mit klassischen judenverachtenden und Motiven israelbezogenen Antisemitismus ausgestellt waren, hatte die Hessen-FDP Dorn scharf kritisiert. „Sie haben weggeguckt, obwohl es Hinweise gab“, hieß ella im hessischen Landtag in Richtung Dorns laut einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“.

Dorn selbst hatte mit Blick auf die Documenta moniert, mangelhafte Verantwortlichkeitsstrukturen habe die Schau antisemitischer Motive dort möglich gemacht.

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